Entladen am Balancer-Lader: warum es oft nicht funktioniert
Kaum eine Funktion sorgt bei kleinen Balancer-Ladern für so viel Ratlosigkeit wie das Entladen. Der Lader kann laut Anzeige mehrere Ampere, in der Praxis dauert das Entladen eines Flugakkus ewig oder bricht mit einer Temperaturmeldung ab. Das ist meist kein Defekt, sondern die Bauart des Geräts.
Wohin die Energie geht
Beim Laden holt der Lader Energie aus dem Netzteil und schiebt sie in den Akku. Beim Entladen muss er sie irgendwo lassen, und einfache Geräte haben nur einen Weg dafür: sie verheizen sie in einem Widerstand im Inneren. Die mögliche Entladeleistung ist deshalb nicht durch die Elektronik begrenzt, sondern durch das, was das kleine Gehäuse an Wärme abführen kann.
Darum steht im Datenblatt eine hohe Ladeleistung und eine sehr kleine Entladeleistung. Wer einen größeren Flugakkupack vollständig entladen will, wartet Stunden — das Gerät ist dafür nicht gebaut.
Was man stattdessen tut
Für den Normalfall — Akkus auf Lagerspannung bringen — gibt es den Speichermodus. Der Lader entlädt nur bis zur Lagerspannung, nicht bis zur Entladeschlussspannung, und die Energiemenge ist dabei klein genug für das kleine Gerät.
Wer wirklich zyklen oder kapazitätsmessen will, braucht eine externe Last: eine elektronische Last mit Lüfter, einen Lader mit regenerativer Entladung, der die Energie in einen zweiten Akku schiebt, oder — für Zellen ohne Diagnoseanspruch — eine Glühlampenlast mit Spannungsüberwachung. Ohne Überwachung nie, denn eine tiefentladene Lithiumzelle ist Schrott und im Ladeversuch danach gefährlich.
Wenn gar nichts passiert
Drei Ursachen deckt man in Minuten auf. Der Entladestrom steht im Menü auf einem sehr kleinen Wert und muss erst hochgestellt werden. Die eingestellte Entladeschlussspannung liegt über der aktuellen Akkuspannung, also ist das Gerät aus seiner Sicht schon fertig. Oder der Akkutyp ist falsch gewählt, womit auch die Schlussspannung nicht passt.
Bricht der Vorgang mit Temperaturwarnung ab, arbeitet das Gerät korrekt. Eine Pause, ein freier Standort und ein kleiner Lüfter neben dem Lader verlängern die Entladephase erheblich.
Nachbauten erkennen
Von den verbreiteten kleinen Ladern gibt es zahlreiche Nachbauten unterschiedlicher Güte. Erkennbar sind sie an fehlender oder falsch geschriebener Beschriftung, an einem Netzteil ohne Prüfzeichen, an wackligen Balancerbuchsen und an Anzeigewerten, die von einem zweiten Messgerät deutlich abweichen.
Die Prüfung ist einfach: Zellspannungen im Balancer-Menü mit einem Multimeter vergleichen. Weicht ein Wert merklich ab, taugt das Gerät nicht zur Beurteilung von Akkus — und ein Lader, der die Zellspannung falsch liest, ist nicht nur unbrauchbar, sondern ein Risiko im Ladebetrieb. In diesem Fall ist der Austausch die einzige sinnvolle Antwort, egal wie günstig das Gerät war.